Dipl.-Ing. Jens Bellmer VDI

 

Buch und Software Direkthilfe Schimmelpilz

Software "Direkthilfe Schimmelpilz" inkl. Buch "Hilfe bei Schimmelpilz und Feuchtigkeitsproblemen"

zum Angebot


Das Luftfeuchte Buch

Das Luftfeuchte-Buch

zum Angebot

 


 

[1] Schimmelpilz und Wandfeuchte

© Dipl.-Ing. Jens Bellmer

Die nachfolgenden Themen werden nur angerissen und umfassen nur ein kleines Segment der möglichen gesundheitlichen Belastungen im Haus. An Betroffene gerichtet: Falls Sie meinen, betroffen zu sein, berlassen Sie notwendige Analysen bitte immer erfahrenen Fachleuten.

Folgende gesundheitliche Gefahren bestehen:

Hier sollen bewusst bewusst keine Ängste erzeugt werden. Es wird ohnehin schon, z. B. in den Medien, viel zu viel Angst verbreitet. Hinsichtlich der Panikmache vor Krankheiten ist unser modernes Zeitalter wohl unerreicht. Wichtiger wäre es doch, ergiebige und einfache Hilfen aufzuzeigen, um Schimmelpilze erst gar nicht entstehen zu lassen oder sie schnell zu beseitigen. Warum nicht einfach sehr schnell eines der Hauptübel im Ursprung beseitigen (überfeuchtete Raumluft, siehe Kapitel 4 des Praxis-Ratgebers: Hilfe bei Schimmelpilz- und Feuchtigkeitsproblemen)? Aus meiner Sicht, bleibt seit den Jahren der ersten Energiekrise, die so wichtige, absolut gesehen trockene, baustofftrocknende, staubarme, ionisierte, frische Außenluft „vor der Tür". Wie man Sie wieder in unsere Wohnräume bekommt, beschreibe ich im Kapitel 5 und 6 des vorgenannten Ratgebers. 

Die gesundheitlichen Zusammenhänge, die nachfolgend beschrieben werden, sollen nur einen ersten Überblick darstellen, sind Darstellungen anderer Autoren (siehe Literaturverzeichnis), gelten beispielhaft, sind in keinster Weise vollständig und können z. B. auf ganz andere Ursachen, als auf Schimmelpilzprobleme hinweisen. Damit hier erst gar kein Zweifel aufkommt: Gesundheitliche Diagnosen müssen und können selbstverständlich immer nur von Ärzten getroffen werden! Obwohl mehrfach durch Studien belegt werden konnte, dass ein mikrobieller Befall durch Pilze, aber auch durch Bakterien, in Gebäuden zu gesundheitlichen Beschwerden führen kann, ist die Klärung des exakten medizinischen Zusammenhanges zur Zeit noch nicht möglich. Nachfolgend einige, von verschiedenen Autoren dargestellte, gesundheitliche Belastungen durch Schimmelpilze:

Typische Beschwerden, hervorgerufen durch Schimmelpilzprobleme, sind lt. [1]: häufig verstopfte oder laufende Nase, Nasennebenhöhlenentzündungen, häufige Infekte bei Kindern (z. B. Mittelohrenentzündung, Lungenentzündung), Hautprobleme, chronische Bronchitis, Kopfschmerzen, nächtliches verstärktes Schwitzen oder rheumatoide (= rheumaähnliche) Beschwerden.  

 

Folgende allgemeine Haupteinteilung der Belastungen sind möglich:

Allergien: Wenn auch gemäß [1] seltener als allgemein angenommen, können Schimmelpilze Allergien erzeugen. Nach einer Sensibilisierung können zahlreiche typische allergische Körpersymptome auftreten. Das Spektrum allergischer Reaktionen reicht von Hautreizungen, grippeähnlichen Beschwerden über schwere Erschöpfungszustände bis hin zu Schwindel sowie Gedächtnis- und Sprachstörungen. Einen weiteren Hauptkomplex bilden Atemwegserkrankungen, verbunden mit Reizhusten und Engegefühl in der Brust bis hin zum allergischem Asthma. Als typische Erkrankungen sind u. a. zu nennen:  

-          Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege

-          Reizerscheinungen in den Augen und auf der Haut

-          erhöhte Infektanfälligkeit

-          chronischer Erschöpfungszustand.

Toxische Wirkung: Pilze können Agenzien produzieren, die giftig wirken. Einige dieser Stoffe besitzen eine hohe Toxizität gegenüber den Zellen des Immunsystems und schwächen es damit. Gemäß [5] ist die Bedeutung (reizender und toxischer Wirkungen) bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen unklar. 

Infektiöse Wirkung: Infektionen durch Schimmelpilze (Mykosen) kommen gemäß [5] nur sehr selten und nur bei besonders empfänglichen, stark immungeschwächten Patienten vor. Stark immungeschwächte Patienten, die ambulant behandelt werden, sollten von Ihrem behandelnden Arzt unbedingt über die Risiken einer Infektion durch Schimmelpilze aufgeklärt werden. Die am häufigsten beschriebene Mykose ist die von verschiedenen Aspergillusarten hervorgerufene sogenannte „Aspergillose".

Belastungen durch MVOC-Bildung: Die von Mikroorganismen gebildeten flüchtigen organischen Substanzen (MVOC`s) führen zu Geruchsbelästigungen und beeinträchtigen die Lebensqualität. Es gibt zur Zeit keine gesicherten Daten, ob MVOC`s eine Gesundheitsgefahr darstellen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist eine Gesundheitsgefahr aber auch nicht auszuschließen. Die charakteristischen Geruchsempfindungen sind:  

-          erdig

-          pilzartig

-          „feuchter Keller"

-          manchmal auch etwas süßlich. 

Trotz ungeklärtem Direkteinfluss auf die Gesundheit sollten diese Gerüche in einer Wohnung oder in einem Schlafraum nicht vorkommen (MVOC-Analysen: siehe Unterkapitel über mikrobiologische Untersuchung).

Wichtig: Falls Sie Betroffener einer mit Schimmelpilz befallenen Wohnung sind oder ein entsprechender Verdacht vorhanden ist, klären Sie bitte einen vermuteten gesundheitlichen Einfluss mit Ihrem Arzt ab.

Warum sind feuchte Wände ein Problem?

Pilze benötigen zum Wachsen hauptsächlich zwei Komponenten:

eine Nährstoffquelle (z. B. Tapeten etc.)
ein ausreichendes Feuchtigkeitsangebot.

Der wichtigste Faktor für die Aktivität des Pilzes ist das vorhandene Wasser. Das Vorhandensein von Schimmelpilzen (sichtbar oder nicht sichtbar) auf der Wand oder Tapete lässt auf erhöhte Feuchtigkeit schließen.

Das sind die Gründe für feuchte Wände:

  1. Kondensation im Inneren der Wand oder auf der Oberfläche ohne genügende Feuchtigkeitsabfuhr nach außen, durch falsches Lüftungs- und/oder Heizverhalten.
  2. Kondensation im Inneren der Wand oder auf der Oberfläche ohne genügende Feuchtigkeitsabfuhr nach außen, durch bauphysikalische Probleme, wie Wärmebrücken etc..
  3. Wassereinfall durch Leckagewasser, Regenwasser etc..
  4. Aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich.
  5. Neubaufeuchte
  6. Weitere

Darüber hinaus verliert eine feuchte Außenwand ihre Wärmedämmeigenschaften. Neben einem erhöhten Heizenergiebedarf sinkt die Oberflächentemperatur auf der Rauminnenseite. Es kommt schneller zur Kondensation des in der Luft gebundenen Wasserdampfes. Ein Teufelskreis entsteht.

Sanierung

Die Organisation von Sanierungen, wie auch die Analysen, gehören eindeutig in die Hände von erfahrenen Fachleuten. Vor und auch nach der Sanierung sollten begleitende Messungen durchgeführt werden.

Je nach vorgefundenem Fall muss über die anzuwendende Messtechnik entschieden werden: Kombinierte Wandfeuchte-, Raumfeuchte-, Taupunkt- oder Langzeitanalysen oder mikrobiologische Luft- und Abklatschproben. Professionelle Messtechnik und vor allem Erfahrung sind notwendig, um die genaue Schadensursache zu bestimmen. Ein Hauptziel der Sanierung sollte unbedingt sein, die Schadensursache abzustellen. Oft wird jedoch voreilig an den Auswirkungen herumsaniert, ohne die Ursache erfolgreich und auf Dauer zu beseitigen.

Schimmelpilzmessung

 

 

 

Luftprobenahme zur
späteren Ermittlung von
Schimmelpilzen in einer
Schule

Die pilzbefallenen Segmente sollten vorsichtig, ohne Einsatz von Fungiziden und unter hermetischer Abtrennung (also Abdichtung) zum verbleibenden Wohnbereich, komplett beseitigt werden. Je nach Fall ist der Pilz noch von der feuchten Wand zu entfernen. Oftmals ist sogar die ganze Wohnung zu räumen. Einige gesundheitlichen Probleme entstehen durch unsachgemäße Sanierungen.

Die Bauteiltrocknung sollte zumindest messtechnisch belegt werden. Zusätzlich sollten Raumluft- und Abklatschproben als Freimessung vorgenommen werden.

Aufgrund der nachweisbaren, gesundheitlichen Gefahren für die Bewohner von pilzbelasteten Gebäuden, sollte immer sofort gehandelt und nichts bagatellisiert werden. Das bloße "Drüberpinseln" ist in den meisten Fällen nichts anderes als purer Leichtsinn.

Aber Achtung: Trotz allem sollten Fachleute bei betroffenen Personen nie übertriebene Angst und Panik erzeugen. Dem Wohnungsnutzer sollte durch notwendige Analysen und sachliche Vorgehensweise geholfen werden.

Die Stoßlüftung als Prophylaxe und zusätzliche Hilfe bei Bauteildurchfeuchtungen

Es können ca. 10 - 20 Liter Wasser am Tag in der Wohnung entstehen (Kochen, Waschen etc.). Das sind 1 - 2 Wassereimer am Tag, die in der Raumluft als unsichtbarer Wasserdampf gebunden sind. Pro Woche sind es dann ca. 70 - 140 Liter Wasser! Also 7 - 14 Wassereimer pro Woche. Diese Wassermenge muss aus dem Haus abgeführt werden. Immer dichter werdende Fenster und Baukonstruktionen tun ihr Übriges, um die verbrauchte Luft im Haus zu halten. Bei der richtig durchgeführten Stoßlüftung nutzt man u. a. aus, dass erwärmte Luft mehr Wasserdampf in sich binden kann als kalte.

Funktion der Stoßlüftung:

1. Lüften:
Sorgen Sie bitte dafür, dass ein kompletter Luftaustausch in der Wohnung oder nacheinander in Teilbereichen der Wohnung erfolgt. Dies erreichen Sie durch einige Minuten Querlüften mit Öffnen möglichst vieler Fenster und Türen. Hierbei transportieren Sie feuchte und schadstoffbelastete Luft nach außen. Diese Luft wird nun automatisch durch trockene Außenluft ausgetauscht.
Aber Achtung: Eine Trocknung findet nur statt, wenn die absolute Feuchte der Außenluft geringer ist als die absolute Feuchte der Raumluft. Falls Sie dies wirklich genau beachten wollen, so lesen Sie Lufttemperatur, relative Feuchte für Außenluft und Raumluft auf einem Thermo-Hygrometer ab.
Geben Sie alle Werte in unsere Software:
Direkthilfe Schimmelpilz ein:


Direkthilfe Schimmelpilz Software

Sie werden dann sofort darüber informiert, ob Sie mit der Außenluft trocknen können oder nicht. Achtung im Sommer, wenn Sie Ihren Keller lüften wollen - siehe Kapitel: Fensterlüften im Sommer.
Auch hier warnt übrigens unser Programm (Wir finden, dass schon aus diesen Gründen unser kompaktes Programm ein Muß für jeden Baubiologen und Bausachverständigen sein sollte).
Desweiteren ist darauf zu achten, dass die Lüftung nicht zu lange erfolgt, damit nicht teure Energie, die in den Wänden gespeichert ist, abgeführt wird.

2. Trocknung:
Nach dem Schließen der Fenster wird die Raumtemperatur - falls Sie nicht zu lange gelüftet haben - sehr schnell wieder ansteigen. Durch die ausgetauschte Außenluft und die nachfolgende Erwärmung läuft nun der Trocknungsprozess ab. Das heißt, die in den Wänden gespeicherte Feuchtigkeit wird von der recht trockenen Luft automatisch aufgenommen. Mit der Zeit kommt es zu einer Trocknung des Mauerwerkes. Wichtig: Wenn jedoch ein Großteil der Innenflächen versiegelt ist (z. B. durch Kunststofftapeten) wird die Feuchtigkeitsabgabe an die Raumluft erschwert.

3. Erneutes Lüften:
Nachdem die ausgetauschte Raumluft nun wieder die zugeführte Feuchtigkeit des Raumes (durch Kochen, Waschen, oder weitere Flüssigkeitsabgabe aus den Baumaterialien etc.) aufgenommen hat, ist ein erneuter Luftaustausch notwendig. Der vorgenannte Prozess muss erneut wie bei 1. in Gang gesetzt werden.
Man sollte nun über mehrere Tage das Hygrometer (am besten mit Hilfe unserer Software) im Auge behalten. Nach einer gewissen Zeit wird man ein Gefühl dafür bekommen, wie sich das konsequente Stoßlüften auf die Luftfeuchtigkeit auswirkt und wie oft man am Tag lüften sollte. Wichtig ist dabei, dass nicht nur gelüftet, sondern nach dem Lüften auch ordnungsgemäß geheizt wird. Falls dies nicht erfolgt, kommt es zu keinem ergiebigen Trocknungsprozess.

Möchten Sie weitere Infos zu diesem wichtigen Thema, dann nehmen Sie doch einfach direkt Kontakt auf mit der TWG Hausanalyse:

Schauen Sie sich unsere Websites an: www.hausanalyse.de oder www.direkthilfe-schimmelpilz.com

Oder schreiben Sie uns eine Email und info@hausanalyse.de. Falls Sie Betroffener in einem verschimmelten Gebäude sind, teilen Sie uns bitte in der Email mit, wie alt das Gebäude in etwa ist, wann die Fenster saniert wurden und um welche Schimmelpilzprobleme es sich handelt.

Dipl.-Ing. Jens Bellmer

www.hausanalyse.de

 

 

© Dipl.-Ing. Jens Bellmer. Dieser Fachbeitrag darf nicht ohne Zustimmung des Autors vervielfältigt oder/und kopiert werden.

Literatur/Software:

[1] Gunter Hankammer, Wolfgang Lorenz „Schimmelpilze und Bakterien in Gebäuden“

[2] Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg „Schimmelpilze in Innenräumen - Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement“, Stand: 2001

[3] Verein Deutscher Ingenieure VDI, „VDI 4300, Bl. 10 Messstrategie für Schimmelpilze", Entwurf

[4] Umweltbundesamt „Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen“, Stand: 2002

[5] Umweltbundesamt „Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen“, Stand: 2005

[6] Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V. VDB „VDB-Richtlinien Band 2 Chemische und mikrobiologische Untersuchungen", Stand: Januar 2004

[7] Institut für Baubiologie und Oekologie in Neubeuern IBN „Baubiologische Richtwerte für Schlafbereiche nach dem Standard baubiologischer Messtechnik - SBM" speziell der Bereich C: Pilze, Bakterien, Allergene, Stand: 2003

[8] T.A. Oxley E.G. Gobert: „Feuchtigkeit in Gebäuden"

[9] J. Bellmer: „Das Luftfeuchte-Buch“ Vom Luftfeuchte-Vergleich bis zur Kondensations-Bewertung in Gebäude, 2010, 3. Auflage, beziehbar unter www.direkthilfe-schimmelpilz.com

[10] J. Bellmer: „Hilfe bei Schimmelpilz- und Feuchtigkeitsproblemen“, Praxisratgeber und Software für ein gesundes Raumklima, ergiebige Hilfen zur Messtechnik, 2010, 7. Auflage, beziehbar unter www.direkthilfe-schimmelpilz.com