H09 - Hygroskopische und baustoffzerstörende Salze

Über erdberührte Flächen kann Wasser, einschließlich der darin enthaltenen Salze, in die Wand eindringen. Das passiert z. B. bei Altbauten, wenn die ordnungsgemäße Abdichtung des Baukörpers gegen Feuchtigkeitseinwirkung aus dem Untergrund fehlt. Dabei kann das salzhaltige Wasser z. B. über die Kellerwand bis hin zum unteren Bereich einer Erdgeschosswand kapillar aufsteigen. Normalerweise ist dann die Salzkonzentration an der Oberfläche, also an der Verdunstungsfläche von Wänden (Putz, Tapete etc.) und an der Kapillargrenze höher als sonst im Mauerwerk. Salze können aber auch durch vorherige Viehnutzung in einen Baustoff eingedrungen sein. Auch Streusalze von angrenzenden Fußwegen können die Ursache für eine Salzbelastung sein.

Hygroskopische Feuchte: Falls in einer Wand Nitrate oder Chloride eingelagert sind, dann nimmt das Baumaterial verstärkt Feuchtigkeit aus der Luft auf. Eine Besonderheit liegt darin, dass bei höheren Luftfeuchten ein sprunghafter Anstieg der Materialfeuchte einsetzt. Das heißt, dass dann die Material-Gleichgewichtsfeuchte des salzbelasteten Materials viel höher ist, als dies bei einem salzfreien Material der Fall wäre. Daher kann eine stark versalzte Wand weiterhin feucht bleiben, auch wenn die eigentliche Feuchtigkeitsursache beseitigt wurde. Man spricht dabei auch von hygroskopischer Feuchte.

Bauschäden:

Ein großes Problem liegt darin, dass Salze erhebliche Schäden (Hydrations- und Kristallisationsschäden) im und am Baustoff verursachen. Sie können zwar unter Umständen das Wachstum von Schimmelpilzen behindern. Begehen Sie aber auf keinen Fall den Fehler, eine mikrobiologische Unbedenklichkeit daraus abzuleiten!

Salze verfälschen die Messung

Im Baumaterial verbessern Salze in fast jedem Fall die elektrische Leitfähigkeit. Deshalb können bei der Leitfähigkeits-Baufeuchtemessung erhöhte und somit verfälschte Werte angezeigt werden.

Da Salzeinlagerungen die Sorptionsisotherme eines Baustoffes vollkommen verfremden können, ist es auch möglich, dass die hygrometrische Bauteil-Messungen, die von der Software unterstützt werden, durch Salzeinflüsse verfälscht werden.

Die Material-Gleichgewichtsfeuchte kann durch hygroskopische Salze sehr hohe Werte annehmen, ohne dass die (messbare) relative Luftfeuchte am oder im Bauteil-Messhohlraum mit ansteigt. Auch wenn mit den Messanwendungen (RF01, RF02, RF03, siehe hygrometrische Messverfahren im Überblick) keine Materialfeuchte-Ermittlungen durchgeführt werden sollen, so möchte man aber ja dennoch wissen wie weit der Baustoff von der freien Sättigung (100 % r. F.) entfernt liegt. Wenn dabei ein salzbelasteter Baustoff mit einer viel zu hohen Materialfeuchte unterhalb dieser Grenze festgestellt wird, er aber mit der gleichen Materialfeuchte (im salzfreien Baustoff) weit darüber liegen würde, dann kann man von einer Verfälschung des Messergebnisses sprechen.
Der Anspruch an hygrometrische Bauteil-Messverfahren kann nicht sein, hygroskopische Probleme, verursacht durch Salzeinlagerungen, aufzudecken. Falls es aber darum geht, bei noch nicht sanierten Salzbelastungen und noch aktiven Feuchtequellen diese zusätzlichen Schäden anzuzeigen, dann kann die AFBU-Messung im Baumaterial (AFBU02 siehe hygrometrische Messverfahren im Überblick) zumeist recht gut weiterhelfen, da sie per Definition ein Ungleichgewicht aufdecken soll.

Zusätzlich sollte beachtet werden:

Man sollte beim geringsten Zweifel hinsichtlich einer möglichen Salzbelastung, die Messergebnisse durch eine zusätzliche Untersuchung des Salzgehalts und der Salzart absichern, um am Ergebnis die weitere Vorgehensweise auszurichten.
Bevor es um Sanierungen geht, die die Behebung der Feuchteursache und eine eventuelle Salz-Sanierung betreffen, ist eine professionell ausgerichtete Schrittfolge einzuhalten und konsequent umzusetzen: Bedarfsermittlung, Anamnese, Analyse, Diagnose, Fachplanung (gemeint ist die spezialisierte und Produkthersteller-unabhängige Planung), Instandsetzung, Zielerreichung. Die Analyse und Diagnose sollte dabei viel mehr als üblich in Zusammenarbeit mit erfahrenen Laboren, neutralen, externen und spezialisierten Fachleuten erfolgen.

Weitere Hinweise im Buchtext. 

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