H08 - Hinweise zur Wandtemperatur und zum Taupunkt

Die Wandtemperatur wird zum Vergleich mit dem Taupunkt verwendet. Messen Sie die Temperatur auf der raumzugewandten Oberfläche, dort wo die Wand fühlbar kalt ist oder dort wo ein Schimmelproblem vorliegt. Dies ist zumeist im Winter an Raumecken oder Kanten von Außenwänden der Fall. Häufig ist es hilfreich, auch einmal eine Tapete oder eine Fußleiste etc. zu entfernen und hinter dieser die Oberflächentemperatur zu messen. Zur Messung sollte ein digitales Thermometer mit einem speziellen, genau und schnell messenden Oberflächenfühler verwendet werden. Oft muss man die Temperatur an einer oberen Raumecke messen, da sich hier typische geometrische Wärmebrücken ausbilden. Hier kann auch ein Infrarot-Thermometer hilfreich sein. Geben Sie diesen Wert in das Programm ein. Beachten Sie, dass das Programm ohne Eingabe der Wandtemperatur keinen Vergleich mit dem Taupunkt durchführen kann. Messen Sie also stets die Wandtemperatur in einem auffälligen Raum mit.

Bei der Taupunkttemperatur handelt sich um einen Programm-Ausgabewert, der für die Raum- und die Außenluft berechnet wird. Die Taupunkttemperatur wird häufig auch einfach nur als „Taupunkt“ bezeichnet. Der Taupunkt sollte immer in Relation zur Wandtemperatur bewertet werden. Vereinfachte Beschreibung: Der Taupunkt ist kein gemessener, sondern ein vom Programm errechneter Wert einer bestimmten Luftkondition, ähnlich wie dies bei der auch beschriebenen, absoluten Luftfeuchte x der Fall ist. Beispiel: Falls z. B. warme Raumluft an die raumzugewandte Seite einer kalten Außenwand gerät, wird die Luft dort kühler als im Raum selbst. Falls die Luft (genauer gesagt: der Wasserdampf) dabei so stark abkühlt, dass eine Sättigung erreicht wird, dann ist der Taupunkt erreicht. Das heißt, die Lufttemperatur und die Taupunkttemperatur sind gleich. Dies ist der vom Programm errechnete Wert. In der Praxis ist es so, dass speziell dann, wenn die Wandtemperatur unterhalb des Taupunktes liegt, flüssiges Wasser auf der Wand entsteht. Der Taupunkt der Außenluft wird auch berechnet, da dieser für die weitere Bewertung einer Raumlüftung verwendet wird (theoretische Vorbetrachtung eines vollständigen Austauschs der Raumluft durch die Außenluft).

Bewertung von Wandtemperatur und Taupunkt:

Vergleich Taupunkt, Wandwert: Unkritische Werte für Wand- und Taupunkt-Temperaturen verhalten sich konträr (siehe Abbildung). Aus Sicht der Schimmelpilzvermeidung sollten Wand-Temperaturen möglichst hoch und Taupunkt-Temperaturen möglichst niedrig liegen. Zusätzlich ist es so, dass beide Temperaturen nicht unabhängig von einander, sondern immer in Relation zu einander beachtet werden müssen. Hilfreich für die Bewertung ist eine Art Normalklima-Festlegung der DIN 4108, T2 für Wohnbereiche im Winter. Im hx-Diagramm (vgl. Abb.) ist dieses Beispiel aufgeführt. Bei 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte besteht ein Taupunkt von 9,3 °C. Darüber hinaus ist es so, dass bei einer raumseitigen Wandoberflächentemperatur von 12,6 °C eine gerade noch tolerable relative Luftfeuchte von 80 % an der Wand (also aw-Wert = 0,8) vorliegt. Diese beiden Werte kann man als Richtwerte verwenden.

A. Wandwerte unterhalb von 12,6 °C sind grundsätzlich als kritisch zu betrachten und sollten möglichst vermieden werden. Niedrigere Wandtemperaturen sollten im Wohnbereich nicht bestehen. Wandtemperaturen von unter oder gleich 3 °C reichen selbstverständlich in keiner Weise für den Wohnbereich aus.
B. Taupunkte oberhalb von 9,3 °C bergen ein potentielles Schimmelpilzrisiko. Hier ist es so, dass Raumluft-Konditionen mit niedriger werdenden Taupunkten (z. B. durch das Lüften) immer unkritischer in Bezug auf Schimmelbildung werden.
C. Vergleich: Das Programm führt eine Bewertung mittels des Taupunktabstandes (Wandtemperatur minus Taupunkttemperatur) und mittels der theoretischen aw-Wert-Berechnung durch (siehe auch Abbildung und Die hygrometrischen Messverfahren im Überblick). Grundsätzlich sind Wand- und Taupunktwerte risikobehaftet, wenn der errechnete, theoretische aw-Wert oberhalb von 0,8 liegt oder/und der Taupunktabstand weniger als 3 K beträgt. Beides wird vom Programm berechnet, geprüft und bewertet.

Taupunkt-Werte unter 0°C weisen auf eine niedrige Luftfeuchte hin und werden auch ausgegeben. Folgendes ist aber zu beachten:

 Zum Frostpunkt: Unterhalb von 0 °C kommt es bei Wasserdampfsättigung theoretisch nicht zu einer Flüssigwasserbildung sondern zum Entstehen von Eis. Zwar kann es in der Praxis auch noch unterkühltes Flüssigwasser und auch einen tieferen Taupunkt geben als der vom Programm ausgegebene. Dieser Fall wird hier aber nicht vorausgesetzt. Das Programm berechnet ab 0 °C alle Ergebnisse für Eis. Aus diesem Grund müsste auch der „Taupunkt“ als „Frostpunkt“ bezeichnet werden. Häufig wird aber (z. B. bei Messgeräten) die Frostpunkt-Bezeichnung der Taupunkt-Bezeichnung untergeordnet. Dies erfolgt auch bei diesem Programm. Der Taupunkt wird hier also als Sammelbegriff für beide Temperaturwerte verwendet. Es ist also so, dass im Programm unter 0 °C der Frostfall betrachtet wird (direkter Übergang von Wasserdampf zu Eis = isobare Desublimation) und der Frostpunkt als Taupunkt bezeichnet wird.

Zur Bewertung: Wandwerte unter 3 °C liegen viel zu tief. Korrespondierende also „risikolose“ Taupunkte lägen unter 0 °C (Zusammenhang: Taupunkt/Wandwert über aw max. = 0.8). Niedrigere Taupunkte müssten dann auch nicht mehr mit diesen, vollkommen zu tief liegenden Wandwerten verglichen werden. Jedoch: Vor einer Bewertung des Taupunktes muss immer erst die Wandtemperatur (die mit dem Taupunkt verglichen werden soll) in einem einigermaßen tolerablen Bereich liegen (Raumheizung).

Falls dennoch die Wandtemperatur unter 3 °C liegt und das mit einer Raumluft ausgeglichen werden kann, deren Taupunkt im Minusbereich liegt, dann muss man sich bei diesem Vergleich im Klaren darüber sein, dass

  1. man eine viel zu niedrige Wandtemperatur mit Raumluftwerten vergleicht, die in der Regel nur für den Moment der Messung so lufttrocken ausfallen. Jederzeit könnten sich normale Raumluft-Konditionen einstellen, die dann sofort eine Kondensation herbei führen.
  2. vor einer Betrachtung der Kondensation erhöhte Einfrierprobleme im Innenbereich vorliegen könnten.

Man sollte daher, ab einer Wandtemperatur von unter (oder gleich) 3 °C keinen Vergleich mehr mit dem Taupunkt durchführen, da dies keinen praktischen Nutzen mehr für die Gebäudeanalyse erbringt und von schwerer wiegenden Problemen, wie z. B. der Frostgefahr im Innenbereich, ablenkt. Besser wäre es, wenn diese Grenz-Wandtemperatur für die individuelle Mess-Untersuchung noch höher festgelegt würde, da ja schon bei Wandtemperaturen von unter 12,6 °C kritische Verhältnisse vorliegen.

Für die Lenkung der Gebäudeanalyse und für die praktische Unterstützung zur Findung und Bewertung von Luftfeuchteproblemen (und darum geht es vorrangig bei diesem Programm) ist die genaue Zahlenwert-Ausgabe bei Grenzwertbetrachtungen in Verbindung zur Wandtemperatur wichtig. Dies erfolgt durch Berechnung, Bewertung des Taupunktabstandes und des aw-Wertes. Diese Grenzwertbetrachtung in genutzten und beheizten Gebäuden erfolgt mit positiven Taupunktwerten.

Aufgrund der vorgenannten Punkte führt das Programm Direkthilfe Schimmelpilz folgende Ausgaben durch:

Ab Wandtemperaturen unterhalb 12,6 °C wird grundsätzlich gewarnt, dass dieser Wert zu niedrig ausfällt. Dennoch erfolgt eine komplette Text-Bewertung und auch Werteausgabe, einschließlich Taupunkt-Werteausgabe.

Ab Wandtemperaturen unterhalb (und gleich) 3 °C wird vom Programm, eindringlich und mit roter Warnfarbe informiert, dass dieser Wert für den Wohn- und Innenbereich zu niedrig liegt! Es wird weiterhin ausgegeben, dass, unabhängig von den weiteren Raumluft-Parametern, Frostgefahr und ein bauphysikalisches Risiko bestehen. Weiterhin weist das Programm darauf hin, dass vor einer weiteren Bewertung die Wandinnentemperatur erhöht werden sollte (Raumheizung). 

Copyright Dipl.-Ing. Jens Bellmer www.direkthilfe-schimmelpilz.com