H05 - Hinweise zur AFBU-Messung, Feuchtevergleich

Eine Übersicht dieser Messmethode ist unter hygrometrische Messverfahren im Überblick dargestellt. Hier geht es um weitere Hinweise. Die AFBU-Messung ist kein Materialfeuchte-Messverfahren. Sie steht auch nicht in Konkurrenz zu anderen Mess-Systemen, sondern soll diese ergänzen. Es ist ein Verfahren, bei dem man versucht, ein mögliches Befeuchtungspotential [Bauteil zum Raum] festzustellen, um hieraus Auffälligkeiten abzuleiten.

Hierfür wird die absolute Luftfeuchte x in einem vorhandenen Hohlraum oder im (angebohrten) Baumaterial ermittelt und dann mit der absoluten Luftfeuchte x der umgebenden Raumluft in Bezug gesetzt (Differenzbildung xBauteil – xRaum).

Konkrete Messhinweise

Es geht zwar hauptsächlich um den Vergleich zwischen der absoluten Hohlraum/Bauteil-Luftfeuchte und der  absoluten Raumluftfeuchte, zusätzlich ist es aber auch hier empfehlenswert, auch noch die Außenluftfeuchte aufzunehmen (wie bei der Luftfeuchte-Basismessung). Die Messung erfolgt also durch Messung der relativen Luftfeuchte und der Lufttemperatur:

  1. in einem vorhandenen Hohlraum (z. B. Abhängung, Abkastung in einem Schlafzimmer) oder in einem Bohrloch-Hohlraum (z. B. Wand des Schlafzimmers),
  2. im beteiligten Raum (z. B. Schlafzimmer) und
  3. an der Außenluft

Zu A.: erster Messort, Hohlraum/Bohrloch: Falls eine Material-Bewertung (z. B. in einer Wand) durchgeführt werden soll (AFBU02), dann sollten die gleichen Hinweise wie für Mess-Anwendung RF02 beschrieben, beachtet werden (siehe hygrometrische Messverfahren im Überblick). Für die Anwendung im vorhandenen Hohlraum (AFBU01 z. B. in einem Installationsschacht etc.) ist zu sagen, dass auch dieser eventuell geöffnet werden muss. Beide Anwendungen werden im Buchtext beschrieben.

Zu B.: zweiter Messort, Raum: Die gleiche Messung erfolgt zusätzlich in dem Raum, dessen Wand oder Hohlraum zuvor in das Programm eingegeben wurde. Wenn man z. B. die verschimmelte Außenwand eines Schlafzimmers angebohrt und gemessen hat, sollte man auch noch das Schlafzimmer selber messen (wie zuvor bei der Luftfeuchte-Basismessung beschrieben).

Zu C.: dritter Messort, Außenluft: Häufig ist es so, dass man im Rahmen der Luftfeuchte-Basismessung schon die Außenluftwerte aufgenommen hat. Wenn dies noch nicht geschehen ist, sollte es in jedem Fall nachgeholt werden. Es wird empfohlen, nicht nur für den Raum (Punkt B.) sondern auch für die Bauteil-Eingabe (Punkt A.), die Außenluftwerte mit einzugeben. Dies ist deshalb wichtig, damit alle Messewerte in der Grafik in Relation zur Außenluft wiedergegeben werden. Hieraus wird sofort der mögliche Trocknungseffekt der Außenluft veranschaulicht.

Sonderfälle: Bei Trocknungskontrollen oder verstärktem Einfluss des äußeren Wasserdampf-Partialdrucks im Bauteil (zu tiefe Bohrung) könnten weitere Bauteile zum Vergleich eingeladen werden (gleiche Bohrtiefe aber Bohrung in schadensfreiem Materialgefüge). Weitere Hinweise im Text.

Das Auswahlfeld: Bei der Eingabe der Bohrlochdaten achten Sie bitte darauf, dass Sie beim Auswahlfeld „Bauteil/Hohlraum (B)“ auswählen. Damit informieren Sie den Computer, dass es sich um eine Hohlraum-Messung handelt. Sie können nach der Eingabe diesen Hohlraum sofort durch Mausklick auf [Berechnen] einzeln bewerten lassen.

Grafik und Bewertung: Nachdem man die vorgenannten Messorte aufgenommen und eingegeben hat, muss man sie noch abspeichern, bevor die AFBU-Bewertung möglich ist. Wählen Sie danach die Grafikauswertung [Schaltfläche 6: Grafik-Button]. Die Bedienung der Grafik-Auswertung wurde schon im Detail für die Luftfeuchte-Basismessung beschrieben. Die AFBU-Messung stellt eine spezielle Auswertung dar. Hier sollte ausschließlich der untersuchte Hohlraum und der beteiligte Raum in die Grafik eingeladen werden. Dann können Sie visuell wichtige Erkenntnisse ableiten.

Aus der Grafik entnehmen Sie oben aus der Diagramm-Überschrift den Differenzwert. Die Bewertungs-Tabelle T8.120 (Buchtext) hilft Ihnen bei der groben Interpretation dieses Differenzwertes zwischen Bauteil und Raum. Nachdem man grob mit Hilfe der beschriebenen Luftfeuchte-Basismessung Räume mit hoher Luftfeuchte ausgemacht hat, kann man also versuchen, mit der AFBU-Messung Feuchte-Auffälligkeiten in diesen Räumen festzustellen. Diese Auffälligkeiten entstehen z. B. dann, wenn die untersuchten Bauteile mit einem erhöhten Flüssigwasser-Anteil belegt sind. Eine kapillar durchfeuchtete Wand, wie auch ein von innen durchnässter Installationsschacht werden so recht gut festgestellt. Man kann also erst einmal a.) mittels der Anwendung RF02 eine Bewertung der relativen Luftfeuchte im Baumaterial vornehmen. Danach ist es zumeist sinnvoll b.) noch die Luftfeuchte-Daten des beteiligten Raumes einzugeben um dann mittels des AFBU-Messverfahrens a.) und b.) miteinander zu vergleichen (siehe Buchtext und auch vorherige Abbildung).

Zur Bewertungs-Tabelle: In das Software-Programm wurde die Bewertungstabelle T8.120 nicht eingearbeitet. Bewusst wird hier auch keine entlastende Bewertung formuliert, wie z. B. „keine Auffälligkeit". Die Bewertung des Ergebnisses der AFBU-Messung muss individuell am Einsatzfall ausgerichtet sein und unterliegt in jedem Fall Ihrer Einschätzung der individuellen Situation! Die Bewertungskriterien gelten zwar in der Mehrzahl aller Fälle. Jedoch können unmöglich alle Aspekte der Situation vor Ort mit einbezogen werden.

Die Vorprozedur, der eingeschwungenen Zustand: Falls z. B. 5 Minuten vor der Messung alle Fenster geöffnet wurden, dann entspricht die gerade gemessene Raumluftfeuchte nicht mehr dem Durchschnittswert, der sich träge durch den vorherigen, stundenlangen Prozess, zwischen Bauteil und Raum wechselseitig aufgebaut hat. Genau wie bei der Luftfeuchte-Basismessung sollte daher die Vorprozedur nach Tabelle T8.050 (Buchtext) eingehalten werden. Wenn Sie unsicher sind, ob diese Prozedur auch eingehalten wurde, dann sollten Sie, genau wie vor der Luftfeuchte-Basismessung, einen Raumklima-Vorab-Check gemäß Tabelle T8.060 (Buchtext) durchführen.

Besonderheiten zur AFBU-Messung im angebohrten Baumaterial (Verfahren AFBU02)

Bohrloch-Hohlraum, Abschottung und Angleichzeit: Hier gilt das Gleiche, was schon für die Mess-Anwendung RF02 unter hygrometrische Messverfahren im Überblick beschrieben wurde. Für den zu schaffenden Hohlraum sind diese Hinweise zu beachten: Bohrloch-Hohlraum, Abschottung und Angleichzeit. Zusätzliche Hinweise: Man sollte von der Rauminnenseite her in das Bauteil bohren. Die Bohrtiefe sollte dabei in der Regel nicht mehr als ca. ¼ des Wand-Querschnitts betragen. Wenn man mit der Bohrung zu weit nach außen gelangt, nimmt man immer weniger die direkte wechselseitige Beziehung zwischen Innenraum und Wand auf, denn der Einfluss der Außenluft wird immer größer. Falls sich die Messwerte im Bohrloch-Hohlraum weitestgehend stabilisiert haben, können Sie die HOLD-Taste Ihres Messgerätes drücken und die Werte in Ruhe in den PC eingeben. In dem abgeschotteten Hohlraum stellt sich, nach der genannten Zeit, ein Partialdruck-Gleichgewicht zwischen der Porenluft und der Hohlraumluft ein. Der sich einstellende Wasserdampf-Partialdruck und der Luftfeuchtewert (Feuchtegehalt x) werden vom Programm ermittelt und letzterer ausgegeben. Zusätzlich erfolgt dann ein Vergleich mit der Raumluftfeuchte.

Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Bauteil-Messung: Es kann sein, dass, falls die Messung zu tief in einer Außenwand erfolgt, ein Vergleich mit der Raumluft nicht ausreicht. Dies liegt daran, weil der Wasserdampf-Partialdruck der Porenluft evtl. schon zu sehr von der Außenluft beeinflusst wird. Daher wurde zuvor eine Bohrtiefe von maximal ¼ der Wandstärke empfohlen. Das kann aber nur eine allgemeine Angabe sein. Eine Dampfsperre kann z. B. den Einfluss der Außenluft dominieren lassen. Falls hierüber Unsicherheit besteht, könnte man evtl. an der gleichen Wand eine zweite Bohrung vornehmen und zwar dort, wo nachweislich kein Feuchteproblem vorliegt. Die Bohrtiefe sollte gleich sein. Die Luftfeuchtewerte nehmen Sie dann genau wie zuvor beschrieben auf, speichern sie ab und laden diesen Messort zusätzlich in die Grafik ein. Sie können dann die absolute Luftfeuchte x der vermuteten feuchten Wand mit der absoluten Luftfeuchte x der schadensfreien Wand vergleichen und aus dem Luftfeuchte-Unterschied eine mögliche Feuchtebelastung ableiten. Solch eine zweite Bauteilmessung kann auch für zusätzliche Überprüfungen von Bauteiltrocknungen nützlich sein.

In dieser Kurzbeschreibung können nicht alle Aspekte, Vorgaben zu dem vorbenannten Messverfahren erläutert werden. Es ist deshalb unumgänglich, die Hinweise des Buchtextes zu studieren.

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