H03 - Hinweise zur Einzelausgabe hinsichtlich des Feuchtevergleichs

Neben den Berechnungen und Bewertungen in der Einzelmaske (Taupunkt, aw-Wert, textliche schimmelpilzbezogenen Bewertungen siehe: Die hygrometischen Messverfahren im Überblick) bietet das Programm hier auch einen Feuchtevergleich zwischen innen und außen.

1. Zur absoluten Luftfeuchte x:

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten zur Absolutangabe der Luftfeuchte. Gewählt wurde hier der Feuchtegehalt x. Diese Größe gibt das Verhältnis zwischen der Wasserdampf-Masse und der trockenen (wasserfreien) Luftmasse eines untersuchten „Luftpakets“ an. Häufige Einheit: g/kg tr.L. x wird vom Programm indirekt ermittelt (siehe Berechnungs-Gleichung, Abbildung).

2. Feuchtevergleich:

Bei Beachtung der Lüftungs-Vorprozedur und des Raumklima-Vorabschecks (Tabellen T8.050 + T8.060 im Buch) kann man zumeist gute Rückschlüsse und Hilfen aus dem Feuchtevergleich erhalten. Dieser ist hauptsächlich für die Winter- und Übergangszeit konzipiert, da hier die meisten Schimmelprobleme entstehen. Es wird die Auswirkung eines noch nicht durchgeführten aber möglichen Luftaustausches zwischen Außenluft- und Innenluft-Zustand berechnet und textlich grob bewertet. Die Berechnung erfolgt durch die Differenzbildung der beiden massebezogenen Luftfeuchtewerte x1 – x2 (hier: x1 = xInnen und x2 = xAussen).

Beispiel: Man misst außen eine Lufttemperatur von -4 °C und 85 % relative Luftfeuchte. Dadurch errechnet sich bei einem Luftdruck von 1000 hPa eine Luftfeuchte xa von 2,3 g/kg tr. L. In einem Schlafzimmer wird bei gleichem Luftdruck eine Lufttemperatur von 19 °C und 55 % gemessen. Dies entspricht einer Luftfeuchte xi von 7,6 g/kg tr. L.

3. Der Differenzwert zwischen innen und außen:

Der vom Programm ausgegebene Luftfeuchte-Unterschied dx = (x1 – x2) beträgt im Beispiel immerhin 5,3 g/kg tr.L. Innen ist es also um 5,3 g/kg tr.L. feuchter als außen. Was ist mit diesem Unterschied gemeint? Zur Verdeutlichung wäre es besser, wenn man sich die beiden Luftzustände nicht getrennt ansieht, sondern entstehen ließe. Falls das Schlafzimmer nach dem vollständigen Lüften kurzzeitig Außenluftbedingungen angenommen hätte, könnten nach einiger Zeit die oben genannten Raumluftkonditionen wieder eintreten.

Beim Vergleich des dabei im Raum ablaufenden Vorganges, wird mit dem Differenzwert dx der erhöhte Einfluss des Verdunstungsvorganges (z.B. durch die Feuchtigkeitsabgabe der Menschen, Pflanzen etc.) berücksichtigt. Zum besseren Verstehen: Falls dem Schlafzimmer (idealisierter Weise bei geschlossenen Fenstern) nach dem Lüften kein Wasserdampf zugeführt worden wäre, dann bliebe x unabhängig von der Raumtemperatur konstant. Würde z.B. der Raum durch Heizkörper nur auf 19 °C aufgeheizt, ohne dass Feuchtigkeit in die Raumluft überginge, dann würde x konstant bei 2,3 g/kg bleiben. Die Temperaturaufheizung hätte keinen Einfluss auf den Feuchtegehalt x. Ein Gas-Massenverhältnis wie die spezifische Luftfeuchte oder der Feuchtegehalt x ändert sich, außer durch Luftmischung, nur durch eine Massenzu- oder -abgabe einer Gas-Einzelkomponente, z.B. bei Wasserdampf-Zunahme (idealisierter Ansatz, da es um den Vergleich von zwei voneinander getrennten Luftzuständen geht). Neben der indirekten Information über unterschiedliche Feuchte-Potentiale können die Absolut-Differenzen der verwendeten absoluten Feuchte x auch für indirekte Diffusionsaussagen genutzt werden (siehe auch Hinweise zur Grafikausgabe). Insgesamt hilft der Feuchtevergleich bei der Bewertung, ob evtl. innen erhöhte Verdunstungsprozesse ablaufen oder/und das Trocknungspotential der Außenluft nicht ausreichend genutzt wird etc. Das Programm führt folgende Bewertungen durch:

A. Bis zu einem Differenzwert von 1 g/kg tr.L. (Innen ist es 1 g/kg tr.L. feuchter als außen) wird vom Programm keine Aufforderung zur Ursachensuche gegeben, da dieser Unterschied gering ist, in fast jeder Wohnung (auch bei guter Lüftung) vorkommt und auch auf sonstigen Gründen basieren kann (Messungenauigkeiten, Abweichen von o.g. Idealisierung etc.).

B. Falls größere Differenzwerte vorliegen, werden vom Programm textlich weitere Fragen formuliert, die dazu auffordern die weitere Situation zu überprüfen, wie z.B. „Wird nicht genug gelüftet?“ oder „Gibt es besondere Feuchtequellen?“. Zusätzlich wird die grobe Empfehlung einer Lüftungsempfehlung (ja/nein) gegeben.

Falls die Innenluftfeuchte mehr als 3 g/kg tr.L. über der Außenluftfeuchte liegt, so kann zumeist schon von einem recht hohen Unterschied ausgegangen werden. Es liegt in der Hand des Fachkundigen, die Situation weitergehend zu untersuchen und zu bewerten. Auch wenn das Trocknungspotential der Außenluft nicht vollständig genutzt wird, sollte man u.a. vorsichtig sein, den Wohnungsnutzer für ein zu geringes Lüften verantwortlich zu machen. Die erhöhte Luftfeuchte im Innenraum kann weitere Ursachen haben, was auch im Programm-Bewertungstext formuliert wird. Im Buch werden diesbezüglich weitergehende Informationen und Hilfen gegeben (u.a. Kap. 8, Hinweise zur Leitfähigkeitsmessung Seite 128, zusätzlich Abbildungen A8.170, A8.180, Tabellen T8.050, T8.060). Möglicherweise sind zusätzlich Langzeit-Untersuchungen notwendig.

 

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