H01 - Hinweise zur Luftfeuchte-Messung

Das Programm verwendet Ihre Eingabewerte als angenommene Realwerte, also als Werte, die wirklich so vor Ort vorliegen. Folgende Unzulänglichkeiten bei der Messdurchführung gehen nicht in die Berechnung und Bewertung mit ein:

  1. Messgeräteungenauigkeiten (Toleranzen für Temperatur und relative Luftfeuchte) Ihres Thermo-Hygrometers und/oder Ihres Oberflächenthermometers. Wichtig: Gerade bei der Werte-Ermittlung und Auswertung gehen ja alle Eingaben mit ein. Etwaige Fehler von einzelnen Messwerten vervielfachen sich bei der Berechnung und Bewertung.
  2. Weitere Messgeräte-Probleme, wie fehlende Langzeitstabilität der Fühler, unzureichende Messgeräte-Wartung, fehlende Kalibrierung, Anzeigefehler wegen geringer Batteriekapazität etc.
  3. Etwaige Messfehler, wie z. B. Nichtabwarten des Beharrungszustandes, zu schnelle Messwert-Ablesung, fehlerhafte Messvorbereitung, Nichtbeachten von Störgrößen (Beispiele: direkter Sonnen-/Regenwassereinfluss auf Fühler), etc.
  4. Weitere Probleme vor Ort.
     

Die Werte- und Bewertungs-Ausgaben der Software sind auf vorgenannte Eventualitäten nicht ausgerichtet. Selbstverständlich ist dies die theoretische Annahme eines Mess-Optimums. Bei einem Einbezug der oben genannten Messprobleme wären die Software-Ausgaben mit zu vielen Eventualitäten und Einschränkungen behaftet. Die Messwerte werden daher als real vorhandene Werte angesehen.

Wir empfehlen Ihnen daher unbedingt folgendes Vorgehen:

  1. Messen Sie möglichst fehlerfrei. Weitergehende Informationen hierzu in den detaillierten Buch-Hinweisen zur Gebäudeanalytik, Kapitel 8, sowie in den Herstellerangaben Ihrer Messgeräte, in den Vorgaben Ihres Berufsfachverbandes etc.
  2. Benutzen Sie möglichst genaue Messgeräte. Thermo-Hygrometer werden im gutachterlichen Bereich z. B. mit Genauigkeiten von +/- 0,4 °C und +/- 1,0 % r. F angeboten. Oberflächenthermometer mit noch besseren, also geringeren Toleranzen als +/- 0,4 °C.
  3. Misstrauen Sie vorsorglich den Fehlertoleranz-Angaben zu Ihrem Messgerät. Hinterfragen Sie bewusst beim Hersteller diese Angaben. Hersteller mit Qualitätsprodukten schließen sich z. B. Ringversuchen an, bieten Langzeitstabilität, können bei Nachfrage alles schriftlich vorlegen usw. So manche Genauigkeitsangabe gilt nur für den Zeitpunkt des Verkaufes, nicht aber nach einigen Monaten.
  4. Falls Sie z. B. keine wartungsarmen, langzeitstabilen Messgeräte besitzen, sind kurzfristige Wartungsintervalle beim Hersteller unvermeidlich. Behandeln Sie speziell Ihr Thermo-Hygrometer pfleglich. In Bohrungen können Staubfragmente den Fühler verdrecken. Sie können hierfür z. B. spezielle Schutzkappen verwenden.
  5. Lassen Sie Ihre Messgeräte kalibrieren. So werden aus allgemeinen Fehlertoleranzen feste Abweichungs-Angaben, die die Berechnungsausgaben und Bewertungen sehr viel sicherer machen.
  6. Falls Sie unsicher sind, inwieweit sich die allgemeinen Fehlertoleranzen Ihres Messgerätes auf die Software-Berechnungen und Bewertungen auswirken, dann geben Sie bitte zuerst die auf Ihren Messgeräten abgelesen Werte in die Software ein und speichern diese ab. Danach können Sie die Werte mit den maximalen Toleranzen Ihrer speziellen Messgeräte erneut eingeben und abspeichern. Sie können so selber die Tragweite der Messungenauigkeiten, z. B. an Hand der Software-Bewertungen, beurteilen. Bei gravierenden Feuchteproblemen vor Ort, werden nur geringfügige Berechnungs- und Bewertungsunterschiede aufgrund dieser Messprobleme eintreten. Trotzdem wird dieses Vorgehen empfohlen, da unter anderem unauffällige oder grenzwertige Fälle so evtl. falsch bewertet werden könnten.

Die Software (DHS) ist nicht in der Lage, all diese Eventualitäten in der Berechnung, in den Werte- und Bewertungsausgaben zu berücksichtigen. Weisen Sie bei der Weitergabe der Software-Ausgaben auf diese Eventualitäten und Einschränkungen bewusst hin. Berücksichtigen Sie diese Punkte auch für Ihre eigene Beurteilung. Zusätzlich ist es selbstverständlich so, dass das Programm die fachliche Bewertung eines Fachkundigen vor Ort nicht ersetzen kann. Beachten Sie diese und die weiteren Hinweise im Buch bei der Verwendung der Software und beim Einsatz der Luftfeuchte-Basismessung und AFBU-Messung. 

Copyright Dipl.-Ing. Jens Bellmer www.direkthilfe-schimmelpilz.com