Dipl.-Ing. Jens Bellmer VDI

 

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[12] Heizungswasser und Trinkwasser

Ein Praxisbericht von Dipl.-Ing. Jens Bellmer

Häufig werden von der Industrie bei auffälligen Legionellen-Befunden angebliche Schnell-Lösungen angeboten. Diese  arbeiten z.B. mit chemischen Zusätzen. Hier soll mit geringen Anschaffungskosten eine allumfassende und sofortige Eliminierung des Problems vorgetäuscht werden. Tatsächlich ist es aber in der Mehrzahl der von mir beprobten Problem-Anlagen so, dass Anlagen-Defekte bestehen und dass diese ganz einfach, solide handwerklich in Ordnung gebracht werden müssten, noch bevor irgendeine Anlagenkonditionierung erfolgt. Auch ein funktionierendes Wartungs-Management kann verhindern, dass es zu einem Hygieneproblem im Trinkwassersystem kommen kann. Dieser Artikel beschreibt ein zusätzliches Hygieneproblem durch fehlerhafte Haustechnik-Planung. Es geht um heizungseitige Anschlüsse von Trinkwassererwärmern und zeigt die Normenlage auf.

Trinkwassererwärmer sind notwendig um unser kostbares Trinkwasser z.B. für Duschzwecke aufzubereiten. Die Erwärmung geschieht in der Regel durch Heizungswasser, welches getrennt über Heizschlangen durch den Speicher verläuft. Häufig ist es auch so, dass wie im Beispiel (Abb. 1) ein Ladesystem verwendet wird. Hierbei geschieht die Aufwärmung des Trinkwassers nicht im Speicher, sondern außerhalb in einem vorgeschalteten Wärmetauscher. In beiden Fällen sind Trinkwasser und Heizungswasser nur durch eine Rohrwandung von einander getrennt. Dieses Heizungswasser wird selbstverständlich nicht für den menschlichen Verzehr verwendet, dennoch könnte bei einem Schaden  der Heizschlangen im Trinkwassererwärmer (z. B. durch Korrosion oder ähnliches) das Heizungswasser mit dem Trinkwasser in Berührung kommen. Die Konsequenz wäre, dass das Heizungswasser in die Trinkwasser-Leitung gelangen könnte und schließlich an den Trinkwasser-Zapfstellen austritt. Letztendlich kann es also passieren, dass wir in einem solchen Fall Heizungswasser trinken.

Abb. 1: Trinkwassererwärmer mit Ladesystem. Hier wird das Heizungswasser zwar nicht durch den Speicher geführt.
Dennoch besteht ein Kontakt über Rohrwandungen im vorgeschalteten Wärmetauscher

 

Man könnte nun meinen, dass dies doch bemerkt würde und dass das einfach nicht passieren könne. Aus meiner Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern sind mir jedoch Fälle bekannt, wo Trinkwasser über Monate mit Nichttrinkwasser versetzt war und dies erst sehr spät registriert wurde. Unter anderem aus diesem Grund wurde schon früh die DIN 1988 Teil 4 geschaffen um problematische Übertritte schon im Vorfeld auszuschließen. Diese DIN-Norm wurde nun durch die DIN EN 1717 ersetzt. Beide Normen gelten für einen zeitlichen Übergangszeitraum. Sowohl die aktuelle DIN EN 1717 als auch die alte DIN 1988 Teil 4 tragen dem vorbenannten Fall des Übertritts von Heizungswasser in das Brauchwasser hinein Rechnung:

Zur alten DIN 1988, Teil 4: 

Zitat, Abschnitt 5: „Bei der Erwärmung des Trinkwassers durch mittelbare Beheizung über flüssige, dampfförmige oder sonstige Wärmeträger ist es möglich, daß diese das Trinkwasser beeinträchtigen oder gefährdende Eigenschaften besitzen. Der Schutz des Trinkwassers ist bei Trinkwassererwärmern mit mittelbarer Beheizung von besonderer Wichtigkeit.

Eine Schädigung des Verbrauchers kann außer durch Genuß von verunreinigtem Trinkwasser auch bei gasförmigem oder dampfförmigem Austritt des Wärmeträgers aus Entnahmestellen auftreten. In derartigen Fällen ist ein Zwischenmedium-Wärmeübertrager (…) einzubauen.“

Hier wird also die Forderung aufgestellt, eine Trinkwassererwärmung so zu planen und zu bauen, daß bei einer möglichen Übertragung des Heizmediums auf das Trinkwasser (im Schadensfall) keine Schädigung des Verbrauchers möglich ist. Insbesondere wird hier im letzten Satz auf die Trennung des Heizkreises der Warmwasserbereitung von der übrigen Heizungsanlage durch einen Wärmetauscher hingewiesen.

Im Abschnitt 5.1 der DIN 1988 Teil 4 werden mehrere Ausführungsarten von Trinkwassererwärmern beschrieben. Je nach den Betriebsbedingungen der Heizungsanlage sind hier die entsprechenden Trinkwasser-erwärmer auszuwählen, unter Berücksichtigung von:

a.    Korrosionsbelastung durch den Wärmeträger und das Trinkwasser
b.    Die Klasse des Wärmeträgers (entspricht den Flüssigkeitskategorien)
c.    Der zulässige Betriebsüberdruck des Wärmeträgersystems

DIN EN 1717:

Die DIN EN 1717 greift das vorgenannte unter Pkt. 5.4 (Trennung durch Einzel- oder Doppelwände) auf und übernimmt unter Pkt. NA.3.9 den Wortlaut der DIN 1988 fast komplett. Ergänzend folgt hier unter Pkt. NA.4 eine Zuordnungstabelle, mit deren Hilfe die Ausführungsart der Warmwasserbereitung unter Berücksichtigung der Fluidkategorie des Wärmeträgers erfolgt.

Wichtig ist hier - und das ist in weiten Fachkreisen fast unbekannt - dass bei Trinkwassererwärmern, ab der Trinkwasser-Kategorie 4 (des Heizungswassers) nur noch eine Ausführung der Warmwasserbereitung mit Zwischenmedium zulässig ist. D.h., es muss ein Zwischenwärmetauscher zwischen Heizungs- und Trinkwasser geschaffen werden.

Die Qualitätsminderung des Heizungswassers (aus hygienischer Sicht) kann dann relevant werden, wenn es z.B. durch Dosieranlagen aufbereitet wird. Die Folge wäre dann u.U., dass das Heizungswasser in hygienischer Hinsicht einer höheren Trinkwasserklasse (nach DIN EN 1717) zugeordnet werden müsste (je höher die Klasse, desto problematischer ist die Wasserqualität). Ob eine solche Wasseraufbereitung nun das Heizungswasser "nur" auf Flüssigkeitskategorie 3 oder die schon besonders kritische Kategorie 4 verändert, kann oft nur der Hersteller der Wasseraufbereitung bzw. der zugeführten Zusatzmittel beantworten. Die Praxis zeigt hier jedoch, dass die Informationen von den Herstellern schwer zu bekommen sind! Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Zwar sind diese Forderungen nicht gänzlich neu, sind sie doch in den Grundlagen schon seit Jahren in der alten DIN 1988 Teil 4 verankert - doch die Praxis hat gezeigt, dass die Umsetzung bei Planern, ausführenden Betrieben und auch bei überwachenden Institutionen wohl eher stiefmütterlich behandelt wird. Man kann fast sagen, dass diese Problematik von weiten Fachkreisen komplett ignoriert wird. In vielen Industriebetrieben z. B. ist das Heizunsgwasser durch Zusatzstoffe verändert, dass es der Trinkwasser-Kategorie 4 entspricht. Falls verantwortliche Fachleute darauf angesprochen werden, herrscht zumeist Achselzucken mit dem Hinweis, dass das Trinkwasser ja unter einem höheren Wassetrdreuck steht und dass es ja daher nicht vom Heizungswasser zurückfließen kann. Das heißt, es wird toleriert, dass eine Leckage in Kauf genommen würde.

Das große Problem liegt darin, dass der Nachweis, ob Flüssigkeitskategorie 3 oder 4 vorliegt, nur sehr aufwendig (und fragwürdig) zu erbringen ist. Entscheidend für die Abgrenzung ist der sog. LD50-Test, der an Versuchstieren durchgeführt wird. Bei diesem Test wird diejenige Menge einer Substanz ermittelt, bei der genau die Hälfte der Tiere stirbt. (LD50 = tödliche Dosis bei 50% der Tiere). Im Jahr 1995 wurde dieser Test in Deutschland durch den approximativen LD50-Test abgelöst, der aber auf dem gleichen Prinzip beruht, nur dass weniger Tiere vergiftet werden. Dieser Test ist aus ethischer Sicht (meiner Meinung nach) nicht akzeptabel, wenn z.B. damit nur für jeden einzelnen Anlagenfall, also für ein Gebäude x die Flüssigkeitsklasse ermittelt werden sollte.

Mögliche Lösungen:

Als erstes darf man sich diesem Sachverhalt nicht verschließen!

Es sollte für das Heizungssystem - bei Vorhandensein einer Wasseraufbereitung - von vornherein die Unbedenklichkeit des Heizungswassers nachgewiesen werden. Ohne eine schriftliche Zusage seitens Hersteller von Dosieranlagen oder Zusatzmittel sollte eine solche Technik nicht eingekauft oder geplant werden. Giftige Stoffe, die das Heizungswasser über die Fluidklasse 3 hinweg anheben, wären z.B. Glycol-Zusätze. Diese Frostschutzmittel  werden z.B. bei Solar-anlagen eingesetzt.

Eine zusätzliche Systemtrennung durch Zwischenwärmetauscher könnte von vornherein realisiert werden. Hier muss aber beachtet werden, dass im Zwischenheizkreis Wasser mit maximaler Hygenie-Flüssigkeitskategorie 3 umgewälzt wird.

Wichtig ist in jedem Falle, dass man mit einer gewissen Sensibilität auf dieses Thema reagiert und z.B. vorhandene Anlagentechnik hinterfragt. Auch sollte ein aktives Inspektions- und Wartungs-Management erfolgen, um Anlagenprobleme noch vor dem Auftreten zu erkennen und zu verhindern.

Kostenloses Beratungsgespräch

Falls Sie Interesse an einem kostenlosen Beratungsgespräch zur Trinkwasser-Hygiene in Ihren Gebäuden haben oder Einblicke in den genauen DIN-Text des Artikel-Themas wünschen, so rufen Sie uns bitte an unter 05231 615411 oder schauen nach unter www.hausanalyse.de. Wir arbeiten auch gerne mit Ihren Fachleuten zusammen. Wie gewohnt führen wir für Sie Trinkwasser-Beprobungen und Untersuchungen durch.

Ihr Dipl.-Ing. Jens Bellmer
www.hausanalyse.de
 

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